Eine Ostseegeschichte in vier Kapiteln
Während sich viele Parks auf eine zentrale Promenade mit Attraktionen links und rechts beschränken, setzt Hossoland auf einen konsequent erzählerischen Aufbau. Vier Themenwelten bilden das Herz des Parks: Mermaid City, Kingdom of Baltambrya, Land of the Vikings und Dragon Mine Valley. Jeder Bereich ist als eigenes Universum gestaltet, mit zahlreichen Bezügen zur Folklore des Ostseeraums sowie Meerjungfrauen, Drachen, Bergleuten und Wikingern.
Die thematische Gestaltung liegt in den Händen von Jora Vision, einem renommierten niederländischen Designstudio, das zuvor unter anderem für Efteling, Europa-Park und Wildlands gearbeitet hat. Mit Sinn für Details und Atmosphäre entsteht in Hossoland eine Welt, in der Kinder staunen und Erwachsene sich für einen Moment wieder wie Kinder fühlen.
Vekoma: Der niederländische Achterbahnriese in polnischen Diensten
Einer der wichtigsten technischen Partner von Hossoland ist Vekoma Rides Manufacturing aus Vlodrop. Der Hersteller aus der niederländischen Provinz Limburg, weltweit bekannt für Attraktionen wie die Boomerang-Achterbahn und den Suspended Family Coaster, liefert voraussichtlich mehrere schienengebundene Fahrgeschäfte für Hossoland. Obwohl noch nicht alle Details veröffentlicht wurden, bestätigt der Park, dass vier Achterbahnen eröffnet werden, von denen mindestens drei von Vekoma stammen.
Die Entscheidung für Vekoma ist strategisch: Die Achterbahnen des Unternehmens sind zuverlässig, modular aufgebaut und für Familien geeignet. Eine der erwarteten Hauptattraktionen ist ein Suspended Family Coaster, bei dem die Besucher unter den Schienen hängen und sanft durch Kurven und über leichte Abfahrten schweben. Mit Geschwindigkeiten von bis zu etwa 50 km/h und einem sanften Fahrgefühl passt dieser Achterbahntyp perfekt zur angestrebten Zielgruppe der Familien mit Kindern.
Eine weitere Attraktion, die für Gesprächsstoff sorgt, ist der sogenannte „GhostRider“: eine Hochgeschwindigkeitsachterbahn für Nervenkitzel, die nach vorläufigen Spezifikationen mehr als 110 km/h und eine Höhe von über 50 Metern erreicht. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, doch zum Hersteller dieses gewaltigen Stahlprojekts gibt es noch keine endgültige Bestätigung. Angesichts seiner jüngsten Innovationen bei Katapultachterbahnen erscheint Vekoma auch hier als naheliegender Kandidat.
Mack Rides: Wasserachterbahnen mit deutscher Präzision
Ein Park, der sich an Familien richtet, kommt ohne Wasserspaß nicht aus. Dafür wendet sich Hossoland an das deutsche Familienunternehmen Mack Rides aus dem Schwarzwald. Bereits seit dem 18. Jahrhundert baut dieser Hersteller Transportmittel und Fahrgeschäfte, und sein Name steht inzwischen für Zuverlässigkeit, Innovation und thematische Finesse.
Verschiedenen Insiderquellen zufolge liefert Mack Rides mindestens eine Wasserachterbahn an Hossoland. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Variante des bekannten „SuperSplash“ oder „PowerSplash“ – eine Attraktion, bei der Boote rasend schnell über das Wasser gleiten, beschleunigt werden und anschließend mit einem spritzigen Platscher aufkommen. Es ist genau die Mischung aus Spektakel und breiter Eignung, die zu einem Park mit internationalen Ambitionen passt.
Was Mack besonders macht, ist der ganzheitliche Ansatz: Das Unternehmen liefert nicht nur die Technik, sondern denkt auch bei Thematisierung, Kulissen und Erzählkonzept mit. So entstehen Attraktionen, die mehr sind als bloße Fahrten – kleine Abenteuer, bei denen Kulissen, Klang und Bewegung nahtlos ineinandergreifen.
WhiteWater West und die Kunst des Wasserspaßes
Der dritte große Akteur auf der Lieferantenliste ist das kanadische Unternehmen WhiteWater West, weltweit Marktführer im Bereich Wasserattraktionen. Obwohl Hossoland kein vollwertiger Wasserpark wird, spielt Wasser eine wichtige Rolle für das Erlebnis. Dazu gehören etwa Rutschen, Spielfontänen, Wasserspielbereiche und möglicherweise sogar ein Strömungskanal, der sich durch eine der Themenwelten schlängelt.
WhiteWater ist für seinen innovativen Ansatz beim Wasserspaß bekannt, bei dem Sicherheit, Ästhetik und Nutzungsvergnügen Hand in Hand gehen. Die Anlagen sind langlebig, wartungsfreundlich und bieten vor allem spektakuläre Erlebnisse.
Positionierung und Potenzial: Konkurrenz für Energylandia?
Mit Energylandia (in Zator) und dem riesigen Indoorresort Suntago (südlich von Warschau) hat sich Polen in den vergangenen zehn Jahren rasant als Reiseziel für Attraktionsbesuche etabliert. Hossoland wird nun zu Recht als der „dritte Große“ bezeichnet – und das ist bemerkenswert für ein Land, das erst vor Kurzem den Übergang von kleinen saisonalen Freizeitparks zu vollwertigen Themenparks vollzogen hat.
Hossoland richtet sich nicht nur an das polnische Publikum, sondern auch an Deutsche aus Mecklenburg und Brandenburg und sogar an den skandinavischen Markt. Die Lage weniger als 140 Kilometer von Berlin entfernt und die Nähe zum Flughafen Szczecin machen den Park sehr gut erreichbar.
Die Ambitionen sind groß: 50 Attraktionen, eine Themenparkfläche von 40 Hektar, Dutzende Restaurants, Geschäfte und Shows. Die Frage ist nicht, ob Hossoland etwas bewegen wird, sondern inwieweit es dieses Versprechen einlösen kann.
Ein Park im Aufbau – und ein Markt in Bewegung
Obwohl die offizielle Eröffnung im Mai verschoben wurde, sind die Vorzeichen günstig. Der Bau schreitet gut voran, und sowohl Vekoma als auch Mack bestätigen ihre Beteiligung. Dennoch gibt es auch kritische Anmerkungen: So fehlen vorerst größere Attraktionen für Nervenkitzel wie die zuvor angekündigte Raftinganlage von Intamin oder eine Hochgeschwindigkeits-Katapultachterbahn von Mack. Der Park scheint auf Nummer sicher zu gehen, indem er zunächst in Familienfahrgeschäfte investiert – langfristig eine vernünftige Entscheidung.
Dennoch lässt sich die Größenordnung des Projekts kaum überschätzen. Die Kombination aus starken Lieferanten, thematischer Tiefe und internationaler Ausrichtung macht Hossoland zu einem vielversprechenden neuen Kapitel in der europäischen Freizeitwirtschaft.




