Einen Freizeitpark besuchen, ohne in eine Achterbahn zu steigen. Für die einen klingt das unverständlich, für die anderen ist es genau das Ziel. Gemeinsam unterwegs sein, spazieren gehen, etwas essen und die Atmosphäre genießen. Toverland richtet sich mit seinem vorübergehenden Bezahlmodell ausdrücklich auch an diese Besucher. Der Park nennt unter anderem Menschen, die nur wenige Attraktionen nutzen, und Gruppen, deren Mitglieder unterschiedliche Wünsche haben.
Die Frage geht damit über den Preis einer einzelnen Fahrt hinaus. Muss jeder Besucher dasselbe Produkt kaufen, obwohl nicht jeder denselben Nutzen aus einem Ausflug zieht?
Kein Abschied vom Tagesticket
Die Aktion findet mittwochs und an den Wochenenden vom 28. November bis einschließlich 16. Dezember 2026 während Winter Feelings statt. Toverland verknüpft die Einführung mit seinem 25-jährigen Bestehen. Für den kostenlosen Eintritt ist eine vorherige Reservierung erforderlich, und die Zahl der verfügbaren Plätze ist begrenzt. Das geht aus der offiziellen Pressemitteilung von Toverland hervor.
Besucher wählen ihre Eintrittsvariante selbst. Wer Attraktionen unbegrenzt nutzen möchte, kann ein reguläres Tagesticket kaufen. Auch Jahreskarteninhaber behalten ihren Zugang zu den Attraktionen. Toverland ersetzt das bestehende Modell also nicht, sondern stellt ihm vorübergehend eine Alternative zur Seite.
Innerhalb einer Gruppe lassen sich beide Möglichkeiten kombinieren. Der begeisterte Achterbahnfan kauft ein Tagesticket, während jemand, der vor allem wegen der Geselligkeit mitkommt, den kostenlosen Eintritt und gegebenenfalls einige Einzelfahrten wählt.
Pro Attraktion bezahlen: Was kostet eine Fahrt?
Toverland arbeitet mit Werteinheiten. Die Nutzung einer Attraktion kostet eine, zwei oder drei Werteinheiten. Der Grundpreis beträgt €2 pro Werteinheit. Beim Kauf größerer Mengen gibt es Rabatt: Ab 25 Werteinheiten sinkt der Preis auf €1,90 und ab 50 auf €1,85 pro Werteinheit. Der Staffelpreis gilt für die gesamte Anzahl der Werteinheiten in der Bestellung.
Eigene Preisgrafik von Leisure Magazine (LM) auf Grundlage des offiziellen Shops für Wertekarten.
Kategorie Beispiele Preis pro Person zum Grundpreis Eine Werteinheit Garden Tour, Karussell €2 Zwei Werteinheiten Merlin’s Quest, Pixarus €4 Drei Werteinheiten Troy, Fēnix, Dwervelwind €6 Einteilung laut dem offiziellen Shop für Wertekarten von Toverland.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied. Sechs Fahrten in der teuersten Kategorie erfordern achtzehn Werteinheiten und kosten €36. Zehn solcher Fahrten erfordern dreißig Werteinheiten und kosten durch den Staffelrabatt €57. Das sind ausschließlich die Kosten für die Attraktionen.
Eine allgemeine Schwelle, ab der ein Tagesticket günstiger wird, lässt sich nicht angeben. Das hängt von den gewählten Attraktionen, der Anzahl der Werteinheiten und dem jeweiligen Tagespreis ab. Toverland hat unterschiedliche Eintrittspreise und gewährt Rabatte bei Buchung im Voraus. Besucher müssen daher mit dem Ticket für ihr tatsächliches Besuchsdatum vergleichen, nicht mit einem beliebigen Kassenpreis. Parken wird im Ticketshop zudem als gesondertes kostenpflichtiges Produkt angeboten.
Bezahlen pro Attraktion braucht klare Erläuterungen
Es gibt Bedingungen, die Besucher im Voraus kennen sollten. Ein Erwachsener, der aufgrund der Größenvorgaben ein Kind in eine Attraktion begleiten muss, benötigt selbst ebenfalls ein Tagesticket oder Werteinheiten. Übrig gebliebene Werteinheiten können während des Aktionszeitraums weiter genutzt werden, lassen sich aber nicht gegen Bargeld eintauschen. Toverland erläutert dies auf der offiziellen Informationsseite zum Bezahlen pro Attraktion.
Das macht eine klare Kommunikation wichtig. Kostenloser Eintritt ist nicht dasselbe wie ein kostenloser Ausflug. Und ein niedrigerer Preis pro Werteinheit beim Kauf größerer Mengen lohnt sich erst dann wirklich, wenn der Besucher diese Werteinheiten auch nutzt.
Für Familien ergibt sich zudem eine andere Abwägung. Bei einem Tagesticket stehen die Kosten für die Attraktionen im Voraus fest. Bei Einzelfahrten stellt sich die Preisfrage immer wieder: Noch einmal fahren oder sparen wir das Budget für etwas anderes? Diese Wahlfreiheit kann angenehm sein, aber auch den entspannten Charakter eines Besuchs beeinträchtigen.
Das Prinzip gibt es bereits
International ist kostenloser Eintritt mit einzeln zu bezahlenden Attraktionen kein neues Phänomen. Das dänische Bakken gewährt Besuchern kostenlosen Eintritt. Für Attraktionen können sie unter anderem zwischen Einzelzahlungen, einer Karte mit digitalen Coupons und einem Armband für die häufige Nutzung von Attraktionen wählen. Der Park kombiniert Attraktionen mit Gastronomie und Unterhaltung.
Die Relevanz der Aktion von Toverland liegt daher nicht in der Erfindung des Bezahlens pro Fahrt. Interessanter ist die Entscheidung, dieses Modell vorübergehend neben dem regulären Tagesticket anzubieten. Damit entsteht ein konkretes Praxisbeispiel für Unternehmer, die ihr Angebot zugänglicher machen möchten, ohne allen einen Rabatt auf dasselbe Gesamtpaket zu gewähren.
LM-Analyse: Die Chance liegt bei Besuchern, die sonst fernbleiben
Die betriebswirtschaftliche Logik ist nachvollziehbar. Wer kein vollständiges Tagesticket kaufen möchte, kommt vielleicht für einen kurzen Nachmittag, einen Restaurantbesuch und eine Attraktion. Wäre diese Person sonst zu Hause geblieben, kann der Park zusätzlichen Umsatz erzielen.
Auch eine Begleitperson, die selbst kaum Attraktionen nutzt, kann bei der Entscheidung für einen Familienausflug den Ausschlag geben. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt dann nicht allein in den Ausgaben dieser Begleitperson. Ihre Anwesenheit kann den gesamten Besuch erst ermöglichen.
Das ist ein anderer Ansatz als eine allgemeine Rabattaktion. Bei einem Rabatt wird dasselbe Produkt günstiger. Beim Bezahlen pro Attraktion erhält ein Besucher die Möglichkeit, ein kleineres Produkt zu kaufen.
Für Freizeitunternehmen ist das ein nützlicher Denkansatz. Nicht jeder potenzielle Gast sucht ein vollständiges Tagesprogramm. Manchmal ist gerade ein Angebot für zwei Stunden, eine einzelne Aktivität oder einen Besuch ohne Teilnahme das fehlende Produkt.
Pro Attraktion bezahlen: mehr Besucher, besseres Ergebnis?
Dieser Chance steht ein klares Risiko gegenüber. Ein Gast, der sonst ein vollständiges Tagesticket gekauft hätte, kann auf eine günstigere Kombination aus Einzelfahrten umsteigen. Dann führt die neue Wahlmöglichkeit nicht zu einem zusätzlichen Besuch, möglicherweise aber zu weniger Umsatz.
Deshalb ist ein Besucherzuwachs für sich genommen kein Erfolgsnachweis. Eine fundierte Bewertung erfordert die Unterscheidung zwischen neuen Besuchern, zusätzlichen Besuchen bestehender Gäste und Besuchern, die lediglich die Ticketart wechseln.
Auch die Umsetzung verdient Aufmerksamkeit. Bei Toverland werden die Werteinheiten an der Attraktion kontrolliert, am Anfang der Warteschlange oder beim Mitarbeiter. Für Unternehmer, die ein solches Modell erwägen, gehört dazu die Frage, wie viele zusätzliche Arbeitsschritte, Erläuterungen und Hilfestellungen nötig sind. Ein attraktives Preismodell verliert an Wert, wenn das Einsteigen komplizierter wird.
Der wichtigste Maßstab ist deshalb nicht allein der Umsatz pro Besucher. Es geht um den zusätzlichen Ertrag nach Abzug der zusätzlichen Kosten, zusammen mit den Auswirkungen auf Wartezeiten, Gästezufriedenheit und Wiederholungsbesuche.
Bezahlen pro Attraktion passt zu manchen Besuchern
Die interessante Frage ist nicht, ob jeder Freizeitpark seinen Eintritt abschaffen sollte. Es geht darum, welche Besucher ein Unternehmer mit seinem aktuellen Ticketangebot unbeabsichtigt ausschließt.
Die vorübergehende Wahlmöglichkeit bei Toverland bietet dafür ein relevantes Praxisbeispiel. Der Tagesausflug mit unbegrenzter Nutzung bleibt verfügbar, während Besucher mit anderen Wünschen eine Alternative erhalten. Ob das auch zu einem besseren Betriebsergebnis führt, muss sich noch zeigen: Die Aktion beginnt Ende November.
Die Chance liegt nicht darin, möglichst viele Menschen kostenlos hereinzulassen. Sie liegt in einem passenden Angebot für Menschen, die sonst nicht kommen würden.
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Preise und Bedingungen geprüft am 6. Oktober 2026. Die betriebswirtschaftliche Einordnung ist eine Analyse von Leisure Magazine, kein nachgewiesenes Ergebnis der Aktion.
Titelbild: Fēnix in Toverland, Archivbild vom 14. Juli 2018. Foto: Freddo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Nur verkleinert.




