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Restaurant von De Kleine Schorre, in dem Wein und Gastfreundschaft zusammenkommen
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Wein als Strategie: Warum Zeeland auf Weiß setzt

Von Richard de Bruin··4 Min. Lesezeit
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Weißwein als Strategie. Ich erlebe es in den Niederlanden immer wieder: Unternehmer, die Rotwein produzieren wollen, „weil er eben dazugehört“. Hier geschieht das Gegenteil. Die Entscheidung, ausschließlich Weißwein herzustellen, ist keine Einschränkung, sondern eine klare Positionierung. Unter Johan van de Velde, der seit mehr als 25 Jahren die Ausrichtung und Qualität des … Weiterlesen

Weißwein als Strategie

Ich erlebe es in den Niederlanden immer wieder: Unternehmer, die Rotwein produzieren wollen, „weil er eben dazugehört“. Hier geschieht das Gegenteil. Die Entscheidung, ausschließlich Weißwein herzustellen, ist keine Einschränkung, sondern eine klare Positionierung. Unter Johan van de Velde, der seit mehr als 25 Jahren die Ausrichtung und Qualität des Weinguts bestimmt, wird dieser Kurs bewusst verfolgt. Im niederländischen Klima reifen rote Trauben schlicht nicht zuverlässig genug, um Spitzenqualität zu erreichen. Wichtiger noch: Weißwein passt hervorragend zur Küche Zeelands. Austern, Krusten- und Schalentiere, Fisch – es ist kein Zufall, dass diese Kombination gerade hier überzeugt. Diese Entscheidung folgt nicht der Produktion, sondern dem Markt.

Schaumwein als Wachstumsmarkt

Der nächste Schritt im Weinangebot ist ebenso folgerichtig wie klug. Schaumweine verzeichnen ein starkes Wachstum, und De Kleine Schorre reagiert aktiv darauf. Zwei Varianten gibt es bereits, eine dritte folgt. Damit erweitert das Unternehmen sein Sortiment, verbessert seine Marge und schärft sein Profil. Schaumwein ist hier kein Nebenprodukt, sondern ein strategisches Segment.

Alkoholfrei ohne Abstriche

Auffällig ist der sachliche Umgang mit alkoholfreiem Wein. Während viele Erzeuger ihren eigenen Wein entalkoholisieren, geht Qualität hier vor Eitelkeit. Statt einer eigenen Herstellung setzt man auf die Zusammenarbeit mit einem deutschen Spezialisten und ein Produkt unter eigener Marke. Das ist ehrlicher und kommt der Qualität zugute.

Außenbereich eines Cafés mit einer Kreidetafel, auf der „Welkom“ steht und Besucher willkommen geheißen werden; Pflanzkübel aus Metall und Holz mit einer kleinen Palme, schwarze Terrassenmöbel und eine offene Tür in einem dunklen Holzgebäude.
Edelstahltanks für die Weinproduktion bei De Kleine Schorre
Banner bei De Kleine Schorre mit Wein und regionalen Produkten aus Zeeland
Blaue Holzfassade mit einem weiß gerahmten Fenster und einer dekorativen Plakette daneben an der Wand.
Rebenzeilen mit zurückgeschnittenen Weinstöcken und einer großen hölzernen Informationstafel auf Niederländisch im Vordergrund. Materialreste und gelbe Blumen am Wegrand unter klarem blauem Himmel.
Parkartige Anlage mit einem dunklen modernen Gebäude links, grüner Rasenfläche und blauem Himmel über dem offenen Gelände.
Restaurant von De Kleine Schorre, in dem Wein und Gastfreundschaft zusammenkommen
Kletterpflanze mit leuchtend grünen, gelappten Blättern an einem verwitterten Holzstamm neben einer dunklen, strukturierten Wand.

Die Stärke von Markenbotschaftern

Das interessanteste Modell liegt nicht im Wein, sondern in der Kundenbeziehung: 260 Menschen, die Rebstöcke leasen. Das ist keine Spielerei, sondern ein dauerhaftes Geschäftsmodell. Sie investieren, erhalten Wein, nehmen an exklusiven Veranstaltungen teil und werden – noch wichtiger – zu Botschaftern des Weinguts. Schon seit 25 Jahren. So entsteht eine Gemeinschaft, und das funktioniert.

Bei Geschäftskunden zeigt sich dasselbe Muster. Zuerst kommt das Erlebnis, dann der Verkauf. Führungen, Geschichten, Details wie eine Ladestation mit der Aufschrift „wijn laden“ – Wein laden. Das mag nebensächlich wirken, doch gerade diese unaufdringliche Werbung bleibt im Gedächtnis. Zu diesem Erlebnis tragen auch Mitarbeitende wie Jodie Schets bei, die Besucher fachkundig über das Weingut führt und die Geschichte von De Kleine Schorre erlebbar macht.

Was die Vertriebsstärke der Marke zusätzlich verdeutlicht: In nahezu allen Unternehmen in Zeeland, die ich für diese dreiteilige Reihe besucht habe, war Wein von De Kleine Schorre vertreten. Bei Proef Zeeland, der Tourist Info, Neeltje Jans, Kaasboerderij Schellach und auf Speisekarten in der Region – die Marke begegnete mir überall. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langjährigen regionalen Verankerung. Eine Marke, die nicht nur im eigenen Laden verkauft, sondern von Menschen aus der Region und touristischen Anziehungspunkten bewusst als geschmacklicher Botschafter Zeelands gewählt wird.

Betriebsgröße als Risikomanagement im Weinbau

Mit 14 Hektar Rebfläche ist De Kleine Schorre längst kein Hobbybetrieb mehr. Diese Größe ist bewusst gewählt. Wer zu klein bleibt, ist bei schlechten Ernten anfällig. Wer ohne ausreichenden Absatz zu groß wird, geht ein ebenso hohes Risiko ein. Hier zeigt sich Unternehmertum in seiner reinsten Form: bis zu dem Punkt wachsen, an dem Risiken beherrschbar werden und der Betriebsablauf Stabilität gewinnt.

Auch die Weinlese macht das deutlich. Wurde früher von Hand geerntet, geschieht dies heute maschinell – allerdings erst nach einer händischen Qualitätsauslese. Erst auswählen, dann Tempo aufnehmen. Genau darin liegt die Balance zwischen Handwerk und Effizienz.

Authentizität als Anker

Die Weinproduktion wächst und wird professioneller, doch ein Element bleibt unangetastet: die ursprüngliche, mit Teer gestrichene Scheune. Sie gehört zu den ältesten auf Schouwen-Duiveland. Kein Dekorationsstück, sondern ein fester Bezugspunkt in der Geschichte des Betriebs. Neubauten dürfen modern sein, müssen aber weiterhin zu dieser Identität passen. Solche Bezugspunkte machen den Unterschied zwischen einem Unternehmen und einer Marke.

Von der Landwirtschaft zum Erlebnis

Was mir besonders auffällt: Dieses Unternehmen begann nicht als Weingut, sondern als landwirtschaftlicher Betrieb. Von Gemüse und Obst zu regionalen Produkten, von regionalen Produkten zu Wein, von Wein zu Erlebnissen. Campingplatz, Laden, Führungen, Veranstaltungen. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie Unternehmer auf Marktveränderungen reagieren können, ohne ihre Identität zu verlieren.

Meine Beobachtung

Ich komme viel herum, doch hier ist die Geschichte rund um den Wein stimmig. Nicht, weil alles groß oder perfekt wäre, sondern weil jede Entscheidung nachvollziehbar ist. Klima, Produkt, Markt und Erlebnis greifen ineinander. Das ist selten.

Die Lehre für die Branche ist klar: Hören Sie auf, alles zugleich sein zu wollen. Treffen Sie eine Entscheidung. Und richten Sie Ihr gesamtes Geschäftsmodell daran aus.

Dieser Besuch wurde auch durch De Ideeënfabriek van Pieters ermöglicht.

Innenraum des Restaurants von De Kleine Schorre: Wein und Gastfreundschaft kommen zusammen

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