Die Gastronomie wächst rasant – die Zahlen sprechen für sich
Nach Angaben von Foodlog ist die Zahl der Gastronomiebetriebe seit 2007 um ganze 83% gestiegen. Die Zahl der Restaurants wuchs um 58%, die der Cateringunternehmen sogar auf das Achtfache. 2023 gab es in den Niederlanden 69.000 Gastronomiebetriebe, gegenüber 38.000 im Jahr 2007. Diese Zahlen werden vom niederländischen Statistikamt CBS und Branchenverbänden wie KHN bestätigt. Auffällig ist, dass die Zahl der Kneipen um 33% zurückging. Die klassische niederländische Traditionskneipe scheint gegenüber flexiblen, stärker auf Speisen ausgerichteten Konzepten ins Hintertreffen zu geraten.
Das Wachstum zeigt sich auch in der Beschäftigung: 2023 arbeiteten 517.000 Menschen im Gastgewerbe – ein absoluter Rekord. Trotzdem bleibt die Zahl der offenen Stellen hoch, und es kommen zu wenige neue Arbeitskräfte hinzu.
(Quellen: Foodlog, CBS, KHN, Misset Horeca)
Niederländer essen immer häufiger außer Haus
Die Gastronomie hat Rückenwind. Die Ausgaben für Essen und Trinken außer Haus steigen seit Jahren. Während die Niederländer in den 90er-Jahren vor allem zu Hause aßen, sind Restaurantbesuche und Essen zum Mitnehmen im Jahr 2025 völlig normal. Das Wachstum findet nicht nur in der gehobenen oder klassischen Restaurantgastronomie statt, sondern vor allem bei bequemen Angeboten: Fast Casual Dining, Streetfood, Foodcourts und Lieferdienste boomen. Plattformen wie Thuisbezorgd, Uber Eats und Gorillas haben das Essverhalten dauerhaft verändert.
Ein Millennial gibt im Durchschnitt 1.512 € pro Jahr für Essen außer Haus aus, wie eine Untersuchung von Kassa zeigt. Der Trend betrifft im Übrigen fast alle Altersgruppen. Für Unternehmer ist das erfreulich – allerdings nur, wenn genügend Menschen da sind, um die Nachfrage zu bedienen.
(Quellen: BNNVARA/Kassa, AD, ING Sectorvisie Horeca)
Das Personal bleibt zunehmend aus
Genau hier liegt das Problem. Die Branche ist auf flexibel einsetzbare Arbeitskräfte angewiesen, häufig junge Menschen. Doch diese bleiben aus. Die Zahl der Lernenden in gastgewerblichen Ausbildungen sank innerhalb eines Jahres von 53.826 auf 50.970 (2023–2024). Und wer sich für eine Ausbildung entscheidet, bricht sie häufiger vorzeitig ab. Der Abgang in den ersten Jahren ist hoch.
Warum ist das so? Fachleute nennen mehrere Faktoren:
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Arbeitsbedingungen: niedrige Löhne, viele Überstunden und wenig Verlässlichkeit.
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Image: Das Bild der Gastronomie als Branche für Nebenjobs dominiert. An eine ernsthafte Karriere glauben immer weniger junge Menschen.
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Konkurrenz anderer Branchen: Logistik, IT und Einzelhandel bieten häufig bessere Bedingungen und mehr Ausgewogenheit.
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Lebensphase: Junge Menschen legen mehr Wert auf Freizeit, mentale Ruhe und Stabilität als frühere Generationen.
„Das Gastgewerbe hat ein strukturelles Problem“, erklärt ein Sprecher von Koninklijke Horeca Nederland. „Wir haben nicht nur durch Corona Menschen verloren. Inzwischen stehen wir vor einem grundlegenden Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage.“
(Quelle: KHN, De Telegraaf)
Sich verändern oder verschwinden
Die Lösung ist nicht einfach. Höhere Löhne zu zahlen ist schwierig in einer Branche, deren Margen durch steigende Energiepreise, Mieten, Personal- und Einkaufskosten unter Druck stehen. Dennoch wird der Ruf nach strukturellen Veränderungen immer lauter:
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Professionalisierung des Berufs
Arbeit im Gastgewerbe muss als ernstzunehmender Beruf mit Entwicklungsmöglichkeiten und qualifizierter Ausbildung gelten.
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Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
Wer Beschäftigte halten will, muss in Dienstpläne investieren, die Raum für ein Leben neben der Arbeit lassen.
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Wertschätzung und Kulturwandel
Das Gastgewerbe muss das Image des „unterbezahlten Nebenjobs“ ablegen und selbstbewusst auftreten.
KHN und andere Branchenverbände arbeiten an neuen Kampagnen und setzen sich in Den Haag für steuerliche Spielräume ein, damit Beschäftigte besser entlohnt werden können.
In den Niederlanden wird häufiger als je zuvor außer Haus gegessen, und die Zahl der Gastronomiebetriebe wächst stetig. Solange das Personal ausbleibt, steht die Branche jedoch auf einem unsicheren Fundament. Ohne tiefgreifende Veränderungen droht eine stille Krise: ein Gastgewerbe, das bei den Gebäuden wächst, bei den Menschen aber schrumpft.
Die Frage ist nicht, ob sich die Branche verändern muss, sondern wie schnell das gelingt. Denn ohne Menschen, die Gäste bedienen, läuft die Zukunft des Gastgewerbes letztlich ins Leere.




