Kleine Strukturen als Chance
Die Anziehungskraft kleiner Freizeitanlagen liegt im Erlebnis und in ihrer Exklusivität. Besucher schätzen die persönliche Atmosphäre, die Verbundenheit mit der Natur und die Nachhaltigkeit, die bei diesen Konzepten häufig im Mittelpunkt steht. Das entspricht der wachsenden Nachfrage nach Slow Travel, Ökolodges und komfortablen Ferienhäusern in der Natur. Nach Angaben des NBTC (2023) steigt das Bedürfnis nach „Aufenthalten in einer natürlichen Umgebung“ deutlich, auch infolge von COVID-19 und eines stärkeren Bewusstseins für nachhaltigen Tourismus.
Kleine Strukturen bieten Unternehmern außerdem die Möglichkeit, sich abzuheben. Konzepte wie Glamping, Tiny-House-Resorts und Camping auf dem Bauernhof sprechen bestimmte Zielgruppen an, die für ein besonderes Erlebnis zu zahlen bereit sind. Gut positionierte kleine Angebote können deshalb auch ohne Größenvorteile erfolgreich sein (PleisureWorld, 2022).
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass kleine Freizeitangebote zur räumlichen Verteilung des Tourismus beitragen und empfindliche Naturräume weniger stark belasten. Das passt zu den Zielen von Behörden und Naturschutzorganisationen, die einen verantwortungsvollen Tourismus anstreben.
Hohe Kosten, geringe Margen
Der Kauf und die Entwicklung von Grundstücken sind heute mit enormen Kosten verbunden. Häufig fehlt zugleich die nötige Betriebsgröße, um Fixkosten effizient zu verteilen. Das setzt die Margen unter Druck und zeigt sich auf unterschiedliche Weise:
– Hohe Grundstücks- und Baukosten: Steigende Preise für Baustoffe und Arbeitskräfte machen die Entwicklung kleiner Beherbergungsangebote kostspielig. Nach Angaben des Economisch Instituut voor de Bouw (EIB, 2023) sind die Baukosten in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 30 % gestiegen.
– Lange Anlaufphase: Genehmigungsverfahren und Projektplanung dauern häufig Jahre, während bereits erhebliche Kosten anfallen. Nach einem Bericht der Rijksdienst voor Ondernemend Nederland (RVO, 2023) nimmt das Verfahren für ein neues Freizeitprojekt im Durchschnitt zwischen 18 und 36 Monaten in Anspruch.
– Instandhaltung und Betrieb: Kleine Betreiber können ihre Fixkosten auf weniger Einheiten verteilen. Dadurch fallen die Betriebskosten je Unterkunft vergleichsweise hoch aus. Eine Untersuchung von Recron HISWA (2022) zeigt, dass die Betriebskosten kleiner Beherbergungsangebote je Gästenacht häufig 15–25 % über denen größerer Ferienparks liegen.
– Geringe Margen bei begrenzter Auslastung: Viele kleine Beherbergungsbetriebe sind vom saisonalen Tourismus abhängig. In den Wintermonaten oder außerhalb der Ferienzeiten kann die Auslastung niedrig sein, was die finanzielle Stabilität beeinträchtigt.
Bürokratische Hürden und rechtliche Hindernisse
Neben finanziellen Herausforderungen stellen administrative und rechtliche Hindernisse eine erhebliche Hürde für kleine Projekte dar.
– Proteste von Anwohnern und rechtliche Verfahren: Neue Freizeitprojekte stoßen regelmäßig auf Widerstand aus der Nachbarschaft. Anwohner befürchten zusätzlichen Verkehr, Eingriffe in das Landschaftsbild oder eine Störung der Ruhe. Daraus entstehen Einwendungen, Rechtsverfahren und Verzögerungen, die Projekte schwer planbar und risikoreich machen (Platform31, 2023).
– Langwierige und komplexe Genehmigungsverfahren: Das niederländische Umwelt- und Planungsgesetz, die Omgevingswet, soll Entscheidungen über räumliche Entwicklungen beschleunigen. In der Praxis ringen jedoch viele Gemeinden und regionale Umweltbehörden noch mit Auslegungsfragen. Unternehmer erleben die Erteilung einer Genehmigung als langwierigen und frustrierenden Prozess (IPO, 2022).
– Vorschriften passen nicht zu kleinen Initiativen: Viele politische Grundsatzpapiere und räumliche Planungen orientieren sich an großflächigen Freizeitanlagen. Kleine Projekte müssen deshalb häufig unnötig hohe Anforderungen erfüllen.
Wie können kleine Freizeitangebote dennoch erfolgreich sein?
Trotz dieser Hindernisse lässt sich die Realisierbarkeit kleiner Freizeitprojekte verbessern:
– Frühzeitige Beteiligung und Einbindung des Umfelds: Werden Anwohner und andere Beteiligte früh in den Prozess einbezogen, lassen sich Bedenken ausräumen und Akzeptanz schaffen.
– Entwicklung in Etappen: Statt ein großes Projekt auf einmal umzusetzen, können Unternehmer mit einer begrenzten Zahl von Unterkünften beginnen und das Angebot schrittweise erweitern.
– Flexible räumliche Planung und Raum für Experimente: Gemeinden können Entwicklungen beschleunigen, indem sie ihre räumlichen Planungen flexibel handhaben und innovative Freizeitangebote erproben lassen.
– Zusammenarbeit und Wissensaustausch: Durch die Zusammenarbeit innerhalb einer Region können Gemeinden und Unternehmer von gemeinsamem Fachwissen und gemeinsamer Vermarktung profitieren.
– Einnahmequellen kombinieren: Neben Übernachtungen können zusätzliche Leistungen wie Gastronomie, Wellness und Outdooraktivitäten zu einem stabileren Geschäftsmodell beitragen.
Quellen
- Economisch Instituut voor de Bouw (EIB, 2023) – Kostenontwikkelingen in de bouwsector
- HISWA-RECRON (2022) – Vitaliteit recreatiesector Nederland
- IPO (Interprovinciaal Overleg, 2022) – Vergunningverlening in de recreatiesector
- NBTC (2023) – Trendanalyse verblijfsrecreatie
- Platform31 (2023) – Bezwaren en draagvlak in ruimtelijke ontwikkeling
- PleisureWorld (2022) – Marktanalyse verblijfsrecreatie Nederland
- RVO (2023) – Handreiking duurzame recreatieontwikkeling
- VNG (2022) – Toekomstbestendige recreatiesector: beleidsadviezen
Richard de Bruin ist Experte für Tourismus und Freizeitwirtschaft mit einem besonderen Schwerpunkt auf Destinationsmarketing und Regionalentwicklung. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung darin, Unternehmer, öffentliche Stellen und Organisationen zusammenzubringen, um touristische Regionen zu stärken. Als Kommentator teilt er seine Einschätzungen zu Trends, Herausforderungen und Chancen der Branche.




