Für erfahrene Unternehmer in der Freizeitbranche liegt die Zukunft nicht mehr darin, einfach neue Unterkünfte aufzustellen, sondern darin, ein vollständiges Ökosystem aufzubauen. Das bedeutet: nicht länger in einzelnen Produkten zu denken, sondern in einem integrierten Geschäftsmodell, in dem Übernachtung, Erlebnis, Essen, Natur und Zusammenarbeit einander stärken. Glamping wird damit von einer Produktkategorie zu einer unternehmerischen Strategie.
In Slowenien lässt sich beobachten, wie das funktioniert. Dort hat sich Garden Village Bled zu einem international beachteten Beispiel für Glamping als Ökosystem entwickelt. Gerade dieser Ansatz bietet Anregungen für alle, die in dieser Branche vorankommen wollen.
Die Geschichte von Garden Village Bled
Am Rand des Bleder Sees begann eine Gruppe von Unternehmern vor mehr als zehn Jahren mit einem Vorhaben, das sich radikal von der üblichen Campinglogik unterschied. Ihre Frage lautete nicht: Wie viele Safarizelte können wir unterbringen? Sie fragten: Wie schaffen wir eine Welt, in der Gäste ganz in Natur und Luxus eintauchen und alle Bestandteile des Aufenthalts einander stärken?
Das Ergebnis war Garden Village Bled. Keine Ansammlung von Zelten, sondern eine Erlebnis- und Lebensumgebung. Es entstanden Baumhäuser mit Blick aufs Wasser, luxuriöse Zelte mit eigenen Whirlpools und ein Restaurant, das konsequent auf lokale Erzeugnisse und essbare Pflanzen setzt. Das Gelände erhielt einen natürlichen Schwimmteich, und im gesamten Park wurden essbare Gärten angelegt. Gäste können Kräuter für ihren Tee pflücken, Obst direkt vom Baum essen und Gemüse für den Grill sammeln.
In Garden Village Bled ist alles miteinander verbunden: Die Unterkünfte sind keine isolierten Produkte, sondern Glieder in einer Erlebniskette. Der Garten liefert Zutaten für das Restaurant, der Schwimmteich verstärkt das Wellnessgefühl, und die Architektur fügt sich nahtlos in die umgebende Natur ein. Der Park ist wirtschaftlich sehr erfolgreich – mit Auslastungsquoten von über 85 Prozent und Premiumpreisen deutlich über dem Durchschnitt. Vor allem aber hat er einen Markenwert aufgebaut, der weit über seine physische Kapazität hinausreicht.
Das Resort wurde international mehrfach ausgezeichnet. Seine eigentliche Stärke liegt jedoch in der Mundpropaganda und seiner digitalen Sichtbarkeit. Gäste teilen ihre Erlebnisse in großer Zahl in sozialen Medien. Dadurch erhält der Park kostenlose Werbung und ist weltweit bekannt geworden.
Was bedeutet das Denken in Ökosystemen für die Freizeitbranche?
Das Beispiel aus Slowenien zeigt, was geschieht, wenn ein Freizeitangebot als Ökosystem statt als einzelne Unterkunft verstanden wird. Unternehmer verbinden dabei unterschiedliche Bestandteile so miteinander, dass diese einander stärken und gemeinsam ein Gesamterlebnis bilden.
Ein Ökosystem im Glamping besteht mindestens aus fünf Komponenten:
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Übernachtung – die Grundlage: Lodges, Zelte, Cabins, Baumhäuser oder schwimmende Unterkünfte.
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Natur – eine Umgebung, die mehr ist als Grün: etwa Selbstpflückgärten, Schwimmteiche, Ruheorte und Landschaftskunst.
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Verpflegung – von regionalen Produkten in der Minibar bis zu einem vollständigen Restaurantkonzept auf Basis lokaler Lieferanten.
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Aktivitäten – Wellness, Outdoorangebote, kulinarische Workshops, Führungen und kreative Erlebnisse.
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Gemeinschaft – Zusammenarbeit mit Landwirten, Gästeführern, Handwerkern und anderen Unternehmern.
Genau dieser Zusammenhang macht den Unterschied. Ein Gast, der 200 € pro Nacht für eine Lodge zahlt, gibt häufig weitere 50–80 € pro Tag für Essen, Aktivitäten und Zusatzangebote aus. Gerade dort liegt die Marge. Zudem sorgt die Verbindung der verschiedenen Elemente für mehr Authentizität und eine stärkere Geschichte – genau das, was Verbraucher heute suchen.
Warum das Denken in Ökosystemen unternehmerische Vorteile bietet
Das Denken in Ökosystemen mag abstrakt klingen, bietet Unternehmern aber drei sehr konkrete Vorteile:
1. Höhere Margen
Durch den Aufbau eines Ökosystems verlagert sich der Umsatz von reinen Übernachtungen zu einer Mischung aus Beherbergung, Speisen und Getränken sowie Aktivitäten. Das erhöht nicht nur die Einnahmen pro Gast, sondern verteilt auch die Risiken. Statt vom Übernachtungspreis abhängig zu sein, entwickeln Sie ein breiteres Erlösmodell.
2. Eine stärkere Marke
Ein Ökosystem schafft Unterscheidbarkeit. Jeder kann ein Safarizelt kaufen, doch nicht jeder kann eine Geschichte entwickeln, in der Natur, Essen und Erlebnis zusammenkommen. Die Marke Garden Village Bled ist viel stärker als die eines durchschnittlichen Glampingparks, weil ihre Geschichte authentisch und unverwechselbar ist.
3. Langfristig tragfähige Erträge
Ein Ökosystem ist schwieriger zu kopieren. Ein Zelt oder eine Lodge kann jeder Unternehmer aufstellen. Ein integriertes Konzept, das Übernachtung, Natur und Gemeinschaft verbindet, ist dagegen einzigartig und skalierbar. Das stärkt Ihre Marktposition erheblich.
Empfehlungen und Fallstricke für Unternehmer
Empfehlenswert:
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Entwickeln Sie einen Masterplan, der Übernachtung, Natur, Gastronomie und Aktivitäten zusammenführt.
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Beginnen Sie im kleinen Rahmen (5–8 Einheiten), planen Sie aber von Anfang an eine Erweiterung mit ein (20+ Einheiten).
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Arbeiten Sie mit lokalen Landwirten, Gastronomiebetrieben und Handwerkern zusammen.
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Investieren Sie in Erlebniselemente, die Gäste gern teilen: etwa eine Obstwiese zum Selbstpflücken, einen Schwimmteich oder ein Baumhaus.
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Bauen Sie eine Marke auf, nicht nur eine Unterkunft.
Zu vermeiden:
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Standardzelte ohne eigene Geschichte kaufen. Sie stehen überall und sind daher austauschbar.
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Erwarten, dass Luxus automatisch Premiumpreise ermöglicht. Ohne Storytelling bleibt Ihr Angebot austauschbar.
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Sich allein auf Übernachtungseinnahmen konzentrieren. Ohne ein Ökosystem lassen Sie Ertragspotenzial ungenutzt.
Marketing: von Likes zu Buchungen
Viele Unternehmer sagen, ihr Glampingangebot müsse „instagramtauglich“ sein. Das ist schön, doch Likes füllen keine Betten. Erfolgreiche Unternehmer messen weiter: Wie viele Buchungen entstehen durch soziale Medien, und welcher Umsatz wird je eingesetztem Werbeeuro erzielt?
Wenn Sie im Premiumsegment tätig sein wollen, sollten Sie dauerhaft mit Marketingausgaben von 10–15% des Umsatzes rechnen. Inhalte müssen authentisch, aber auch zielgerichtet sein: Ein Gast, der wegen eines Instagramfotos eine Lodge bucht, sollte direkt in einen automatisierten Angebotsprozess gelangen, in dem zusätzliche oder höherwertige Leistungen wie Arrangements, Speisen und Getränke sowie Aktivitäten angeboten werden.
Denken in Ökosystemen braucht eine klare Vorstellung
Der Aufbau eines Glamping-Ökosystems ist kein kurzer Sprint, sondern eine strategische Entscheidung. Er verlangt eine klare Vorstellung, Mut und Investitionen. Sie müssen über Unterkünfte hinausdenken und ein vollständiges Geschäftsmodell entwickeln, in dem Natur, Menschen und Erlebnisse verbunden sind.
Die Stärke dieses Modells liegt darin, dass es Ihr Unternehmen zukunftsfähig macht. Während traditionelle Campingplätze und Ferienparks zunehmend unter Preisdruck geraten, schaffen Sie mit einem Ökosystem eine Marke, die ihren Wert bewahrt und wächst.
Die Zukunft der Freizeitunternehmen
Die Frage ist nicht, ob Ökosysteme die Zukunft sind, sondern wer den Mut hat, sie aufzubauen. In einer Zeit, in der Verbraucher Authentizität, Nachhaltigkeit und Erlebnisse verlangen, können Unternehmer, die in Ökosystemen denken, ihre Position sichern und stärken.
Bei Glamping 2.0 geht es nicht um das Zelt, in dem man schläft, sondern um ein Gesamterlebnis, bei dem die Übernachtung nur der Ausgangspunkt ist. Den Unterschied macht das Ökosystem, das der Unternehmer darum herum aufzubauen wagt.
Quelle: Garden Village Bled (Slowenien), international ausgezeichnetes Glampingprojekt und Beispiel für das Denken in Ökosystemen.
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