Das Verschwinden der klassischen VVV-Büros ist vor allem auf zwei Entwicklungen zurückzuführen: Digitalisierung und kommunale Sparmaßnahmen. Laut NRIT gab es in den Niederlanden 2023 noch rund 400 VVV-Standorte, doch die meisten davon sind Shop-in-Shop-Angebote, Inspirationspunkte und digitale Informationssäulen. Klassische Schalter mit Personal sind selten geworden. „Kommunen entscheiden sich aufgrund von Kosteneinsparungen und verändertem Verbraucherverhalten immer häufiger für digitale Alternativen“, erklärt VVV Nederland in einem aktuellen Bericht.
Dennoch ist das Bild differenzierter, als eine vollständige Digitalisierung vermuten lässt. Vor allem ältere Menschen und ausländische Touristen haben nach wie vor Bedarf an persönlichem Kontakt und Informationen zum Mitnehmen. So stellte Haarlem Marketing im Jahresbericht 2023 fest, dass mehr als 65% der Besucher aus den Niederlanden und Deutschland kamen und häufig über 55 Jahre alt waren. „Unsere Besucher kommen nicht nur wegen praktischer Informationen, sondern suchen auch bewusst persönliche Beratung und Gastfreundschaft“, so Haarlem Marketing.
Trotz dieser treuen Besuchergruppe bleibt der Betrieb eines klassischen VVV-Büros kostspielig. Die jährlichen Kosten liegen zwischen €100.000 und €200.000, vor allem für Gehälter, Räumlichkeiten und Drucksachen. „Praktisch kein klassisches VVV-Büro kann ohne kommunale Unterstützung oder Zuschüsse bestehen“, räumt VVV Nederland ein.
Auch die Rolle von Drucksachen hat sich verändert. Während früher für jeden Prospekt oder jede Karte bezahlt wurde, ist heute nahezu alles kostenlos. Das hängt mit veränderten Erwartungen der Touristen und dem Einsatz von Drucksachen als Marketinginstrument zusammen. Dennoch ist eine begrenzte Gruppe weiterhin bereit, für spezielle Publikationen mit Mehrwert zu bezahlen, etwa für kulinarische Reiseführer oder Kulturerberouten.
Zudem weisen aktuelle Untersuchungen auf eine wachsende digitale Kluft hin: Rund 4 Millionen Niederländer verfügen demnach nur über eingeschränkte digitale Kompetenzen und profitieren kaum von digitalen Informationsangeboten. Laut einem Bericht der Bibliotheken (2024) sind physische Informationsstellen für diese Zielgruppe unverzichtbar. Dies unterstreicht erneut den bleibenden Wert klassischer VVV-Büros.
Die Zukunft scheint vor allem in hybriden Modellen zu liegen, wie sie bei VVV Haarlem und Maastricht Marketing zu sehen sind, wo persönliche Gästebetreuung vor Ort nahtlos mit digitaler Innovation verbunden wird. Diese Organisationen kombinieren die Vorteile des persönlichen Kontakts und greifbarer Produkte mit der Online-Zugänglichkeit. Dieses Modell bietet nicht nur praktische Lösungen, sondern schafft auch neue Chancen, die unverwechselbare Identität einer Region zu vermitteln.
So ist das klassische VVV-Büro vielleicht im Verschwinden begriffen, aber nicht vom Aussterben bedroht. Es erfindet sich neu, angepasst an die Bedürfnisse von heute und morgen. Wie Haarlem Marketing feststellt: „Die Kombination aus persönlicher Beratung und digitaler Zugänglichkeit macht die VVV relevanter denn je.“
Quellen:
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NRIT: VVV-Büros im Wandel
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Haarlem Marketing: Jahresbericht 2023
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VVV Nederland: Vision und Nachrichten
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Bibliotheken Nederland: Digitale Kompetenzen in den Niederlanden (2024)




